Das Knopfloch, durch das nie ein Knopf geht - Das Milanese Knopfloch

Warum das kleinste Detail an einem Sakko am meisten über seine Qualität verrät – und was ein Mailänder Knopfloch von einem normalen unterscheidet.

Das Knopfloch, durch das nie ein Knopf geht - Das Milanese Knopfloch

Schau mal auf das Revers deines Sakkos. Links, auf Brusthöhe, sitzt ein Knopfloch. Wahrscheinlich hast du es noch nie benutzt. Wahrscheinlich hast du dich noch nie gefragt, was es da macht. Es gibt keinen Knopf dazu, es hat keine Funktion, und trotzdem ist es an jedem Sakko der Welt.

Und genau dieses nutzlose Knopfloch ist die Stelle, an der du in zwei Sekunden erkennst, ob jemand sich Mühe gegeben hat oder nicht.

Woher das Knopfloch kommt


Ursprünglich war es ein ganz normales Knopfloch. Im 19. Jahrhundert waren Sakkos und Mäntel so geschnitten, dass man den Kragen bei Wind und Regen hochklappen und bis oben zuknöpfen konnte. Auf der Rückseite des Revers saß ein kleiner Knopf, das Loch auf der anderen Seite gehörte dazu.

Irgendwann wurde das Sakko zum reinen Kleidungsstück für drinnen und für gutes Wetter. Der Knopf verschwand. Das Knopfloch blieb – als Erinnerung, als Ort für eine Blume, eine Anstecknadel oder eben für nichts. Die Engländer nennen es bis heute boutonnière, nach der Blume, die man hineinsteckt.

Was aus Sicht des Handwerks interessant ist: Ein Detail ohne Funktion ist der ehrlichste Ort an einem Kleidungsstück. Niemand muss es gut machen. Man macht es gut, weil man will.

Wie ein normales Knopfloch entsteht

Eine Knopflochmaschine braucht etwa zehn Sekunden. Der Stoff wird eingespannt, die Maschine näht einen dichten Zickzack rund um die Öffnung, ein Messer schneidet den Schlitz.



Fertig. Das Ergebnis ist flach, gleichmäßig und vollkommen in Ordnung. Millionen Sakkos haben genau so ein Knopfloch, und die meisten Leute werden nie etwas anderes sehen.

Aber es gibt etwas anderes.

Das Mailänder Knopfloch

Die Asola Milanese, das Mailänder Knopfloch, ist die Königsdisziplin der Knopflocharbeit. Es wird komplett von Hand genäht, und zwar in einer ganz bestimmten Technik:

Zuerst legt der Schneider einen dicken, gedrehten Faden um den Rand der Öffnung. Das ist die sogenannte Gimpe. Sie gibt dem Knopfloch später seinen Körper.

Dann arbeitet er Stich für Stich über diese Gimpe. Die Stiche liegen so dicht, dass sie sich berühren, aber nie überlappen. Jeder einzelne wird mit derselben Spannung gesetzt. Am Ende ist die Gimpe vollständig eingehüllt und der Rand des Knopflochs steht leicht erhaben über dem Stoff, mit einem feinen, fast seidigen Glanz.


Ein einziges Mailänder Knopfloch dauert eine gute halbe Stunde. Manche Schneider brauchen länger. Und wenn ein Stich sitzt, sitzt er – aufgetrennt wird nicht, weil man das im Stoff hinterher sieht.

Woran du es erkennst

Du brauchst dafür keinen Schneiderblick. Drei Dinge:

Die Kante. Fahr mit dem Finger über den Rand. Ein Mailänder Knopfloch ist erhaben, du spürst eine kleine Wulst. Ein Maschinenknopfloch ist flach.

Die Stiche. Bei der Handarbeit sind die Stiche minimal unregelmäßig, so wie eine Handschrift. Bei der Maschine sind sie identisch, wie ein Schriftsatz.

Der Glanz. Das Garn glänzt leicht, besonders im Seitenlicht. Maschinengarn ist meist matt.

Wenn du das einmal gesehen hast, siehst du es überall. Im Meeting, im Restaurant, in der Bahn. Du erkennst auf zwei Meter Entfernung, ob ein Sakko von jemandem gemacht wurde, dem es wichtig war.



Warum wir das machen

Als wir unser Fresco Sakko entwickelt haben, war das Knopfloch am Revers einer der Punkte, an denen wir hätten sparen können. Kein Kunde hätte es reklamiert. Die meisten hätten den Unterschied nie bemerkt.

Wir haben uns trotzdem für das handgenähte Mailänder Knopfloch entschieden. Nicht, weil es das Sakko wärmer macht oder länger hält. Sondern weil es die Stelle ist, an der man sieht, wie der Rest gemacht wurde. Wer sich beim nutzlosesten Detail Mühe gibt, hat sich auch bei der Einlage, den Knöpfen und dem Futter Mühe gegeben.

Das Sakko gibt es als Einreiher und Zweireiher, aus reinem Huddersfield Fresco, mit Half-Canvas-Konstruktion aus Rosshaar und echten Hornknöpfen.

Zum Fresco Sakko →


Zurück zu Herrenmode Guide

Einen Kommentar hinterlassen

Bitte beachten Sie, dass Kommentare genehmigt werden müssen, bevor sie veröffentlicht werden.